Feministisches Webdesign und wie du es praktisch umsetzt
Im Leben fast aller Menschen spielt Feminismus eine tagtägliche Rolle, egal ob bewusst oder nicht.
Neben wem man im Bus zur Arbeit sitzt, wie man über die Arbeitserfolge seiner Kolleg:innen spricht oder ob man den Umweg macht, damit man den beleuchteten Heimweg nehmen kann.
Oder auch die offensichtlichen Situationen, in denen man entscheiden muss, ob man sich von einem Fremden umarmen lassen muss, über den herabwürdigenden Witz seiner Freundin lachen sollte oder ob man Zeit mit seinen Kumpeln verbringen möchte, wenn diese einen beleidigen, sobald man versucht, über seine Gefühle zu sprechen.
Die Ansicht, dass jedes Geschlecht die gleichen Chancen und den gleichen Respekt verdient, ist also nicht mehr wegzudenken aus der heutigen Zeit (zum Glück).
Doch warum schreibe ich darüber und was hat das eigentlich mit feministischem Webdesign zu tun?
Inhalt
Was Feminismus für uns bedeutet
Warum Feminismus im Marketing wichtig ist
Feminismus im Webdesign
Was du konkret umsetzen kannst
Was Feminismus für uns bedeutet
Dass Maike und ich Feministinnen sind, ist wahrscheinlich kein Wunder, da ich ja gerade diesen Artikel schreibe. Und tatsächlich sehen wir beide den Feminismus als eine unserer tiefsten Überzeugungen und etwas, das wir sowohl stark vertreten als auch leben.
Dabei ist uns beiden bewusst, dass Feminismus ein Spektrum ist und es daher viele verschiedene Meinungen und Blickwinkel gibt, sowie Unterscheidungen bezüglich der Inklusion von Männern, Transfrauen und Anti-Feministinnen.
Da Maikes und meine spezifische Art des Feminismus der intersektionale¹ ist, ist uns das aber egal. Für uns bedeutet Feminismus, dass jedes Geschlecht gleichberechtigt ist, dieselben Chancen und denselben Respekt verdient.
Man könnte Maikes und meinen “personal flavour” von Feminismus also als “Frei, whatever” bezeichnen. Eine Ansicht, die hier bei Maia Studio ebenso gilt wie in unseren persönlichen Leben.
Nun könnte man argumentieren, dass uns Feminismus nur wichtig ist, weil wir Frauen sind. Und natürlich engagiert man sich mehr für Themen, von denen man selbst betroffen ist. Und das sind wir als Frauen.
Doch nicht nur wir. Daher ist uns Feminismus wichtig. Nicht, weil wir Frauen sind, sondern Menschen.
„Und je mehr Websites es gibt, die echt, ehrlich und erreichbar sind, desto realer wird das Internet…
Und desto feministischer.“
Es ist für uns selbstverständlich, dass wir nicht unterdrückt werden wollen. Dass wir finanziell frei und emotional unabhängig sein wollen. Sexuell frei, frei in unserer Geschlechtswahl, darin, wo wir wohnen und wie wir wohnen, ob wir Kinder bekommen und wann wir Sex haben.
Frei vor dem Gesetz, frei in unseren eigenen Körpern und frei in den Augen der Gesellschaft. Frei, dass wir heiraten, wenn wir möchten, oder auch nicht. Dass wir die Beförderung bekommen, weil wir sie verdient haben und für unsere Fähigkeiten respektiert werden. Dass unser “Nein” gilt und unsere Wünsche ebenso.
Da wir aber immer mehr wollen, als wir sollten (wir sind nun mal Frauen ;)), wollen wir auch, dass jeder Mann und jeder Mensch in unserem Leben frei ist.
Frei, ihre Gefühle zu zeigen, ihre Sexualität auszuleben und frei von gesellschaftlich bestimmten Männlichkeitsbildern. Frei von der Verurteilung, wenn man mit diesen Bildern nicht übereinstimmt. Mit seinen Kumpels bei einem Bier über seine Gefühle zu sprechen und sich wohlzufühlen. Einen Wickeltisch in der Männer-Toilette zu haben und sich nicht anhören zu müssen, dass man unter dem Pantoffel seines Partners steht, nur weil man gerne Zeit mit seiner Familie verbringt.
Ja, alles, was im vorherigen Absatz steht, und noch viel mehr, das mir gerade nicht einfällt. Denn auch wenn ich gerne über die Auswirkungen von Feminismus und Erlebnisse und Erfahrungen anderer Geschlechter mit der Thematik spreche und lerne, so bin ich immer noch eine Frau mit eben diesen geschlechtsspezifischen Erfahrungen.
Solltest du also diesen Artikel lesen und Gedanken oder Anmerkungen haben, melde dich doch bei uns.
Warum Feminismus im Marketing wichtig ist
Inzwischen fragst du dich wahrscheinlich, was das alles mit Marketing zu tun hat. Die kurze Antwort darauf: Alles.
Denn wir lernen, was wir sehen. Sehen wir unser Leben lang auf großen Kinoleinwänden Frauen in der kleinen Rolle, als Sexbomben mit perfekten Körpern und immer rasierten Beinen, wird das für uns das Idealbild. Wenn Männer den James-Bond-Typen sehen, mit seinen Muskeln, der immer stark ist und weiß, was zu tun ist, haben sie nicht das Gefühl, anders sein zu können.
Doch auch außerhalb von Kinos und Streaming finden sich die Darstellungen. Wenn in Parfumwerbungen Männer objektifiziert werden oder wenn für Kopfschmerztabletten eine nackte Frau² gezeigt wird, macht das was mit uns.
Oder wenn man in seinem ganzen Instagram-Feed niemanden sieht, der so aussieht wie man selbst, sei das nun Hautfarbe, Körperform oder Sexualität. Und sieht man seit klein auf in Medien und Werbung nur Hochglanzmenschen, die entweder stereotypisiert oder objektifiziert werden, kann das schon mal etwas mit dem eigenen Selbstbild machen.
Bei Werbung und Medien, die nur bestimmte Schönheitsideale propagieren, werden Unsicherheit, Angst und Unzufriedenheit hervorgerufen³ und ganz spezifische Erwartungen an Weiblichkeit und Männlichkeit gestellt⁴.
Feminismus ist also nicht nur für die Realität gedacht, sondern auch für die Medienlandschaft.
Feministisches Webdesign
Die Farbe deiner Website darf nicht rosa sein, weil du ein Mann bist, oder du traust dich nicht, damit man dich nicht als unseriöse Frau abstempelt?
Vielleicht fragst du dich aber auch, warum auf allen Stockfotos immer weiße Menschen sind, oder kannst eine Website gar nicht öffnen, weil dein Screenreader sie nicht lesen kann.
Natürlich ist Farbwahl ausschlaggebend (wie du in unserem Blogpost zur Farbpalette auf der Website lernen kannst), aber du zählst auch. Weil du ein echter Mensch bist, mit Vorlieben und Ecken und Kanten. Und das soll man auch so sehen. Und je mehr Websites es gibt, die echt, ehrlich und erreichbar sind, desto realer wird das Internet …
Und desto feministischer.
Du willst noch mehr über das Thema erfahren?
→ Mach deine Website barrierefrei: Checkliste für Squarespace
Was du tun kannst
Du willst deine Website feministischer gestalten oder fragst dich, ob andere Websites feministisch sind?
Feministisches Webdesign entsteht aus einem Zusammenspiel von Geschlechtersensibilität, Intersektionalität und Inklusion. Achte also darauf, dass jeder Mensch deine Website nutzen kann.
Du könntest zum Beispiel …
… darauf achten, dass Stockfotos (also solche, die nicht dich oder reale Kunden zeigen) divers sind und sowohl verschiedene Geschlechter zeigen als auch verschiedene Hautfarben. Die Bildsprache macht viel aus, daher kann ich ein Bild, auf dem ein stehender Mann einer sitzenden Frau etwas am Computer erklärt, nicht empfehlen.
… Barrierefreiheit sicherstellen, damit jeder deine Website ansehen kann. Schreibe Alternativtexte für Bilder und überprüfe die Farben, die du nutzt, mit einem Kontrastchecker.
Ist deine Schriftgröße groß genug, um gut erkennbar zu sein, und kann der Inhalt deiner Website auch verstanden werden, wenn ein Screenreader vorliest? Zum Thema Barrierefreiheit kann auch die Optimierung für Handys und Tablets verstanden werden. Ist deine Website noch barrierefrei, wenn sie auf einem Smartphone angeguckt wird?… Rollenklischees ausmerzen. Du schreibst über einen fiktionalen Kunden? Dann sprich doch mal von einer Ärztin oder einem Kindergärtner. Die Rollenbilder, die wir alle durch die Gesellschaft verinnerlicht haben, verdienen es, in Frage gestellt zu werden.
… die Farbe nutzen, die du möchtest, solange sie zu deinem Konzept passt. Farben sind zwar nicht nur Farben, aber irgendwie dann doch. Ja, Farben bedeuten etwas für deine Zielgruppe und den Eindruck, den du bei Kunden erzeugst. So wird zum Beispiel ein maritimes Unternehmen einen Blauton wählen. Wenn für dein Unternehmen aber Pink eine passende Farbe wäre, dann nutze sie doch, wenn du das möchtest.
… gendern. Inzwischen glücklicherweise Standard, aber wichtig zu erwähnen. Egal ob mit Sternchen, Doppelpunkt oder die neutrale Variante. Nutze es so, wie es für dich passt, und alle Menschen inkludiert.
Viel Spaß beim ausprobieren, umsetzen und damit das Internet ein klein bisschen feministischer zu machen.
Du möchtest Unterstützung beim Erstellen oder Überarbeiten deiner feministischen Website?
Dann schau dir unsere Angebote an oder melde dich bei uns für eine virtuelle Tasse Kaffee und ein Strategie-Gespräch.
Wir freuen uns, dich kennenlernen und unterstützen zu können. ✿
Quellen
¹ Intersektionalität berücksichtigt, dass Menschen oft wegen mehrerer Eigenschaften/ Identitäten benachteiligt und diskriminiert werden. queer-lexikon.net/2017/06/08/intersektionalitaet
³ Jean Kilbourne (2002)
⁴ McRobbie (2008)